Das Schloss

Schloss Teutschenthal wurde zischen 1883 und 85 durch den Architekten Hugo Wrede (Stadtbaumeister in Merseburg) im Stil der Gründerzeit als Familiensitz des Geschlechts Wentzel errichtet und 1913, nach einem Brand, durch Josef Kleesattel (freier Architeckt in Düsseldorf) umgebaut. Es liegt in einem 18 Hektar großen, gepflegtem Park mit historischem Baumbestand.

Nach der Wiedervereinigung wurde auf der Grundlage des Einigungsvertrages etwa die Hälfte des einst über 8000 ha großen Landbesitzes, der Immobilien und lndustriebeteiligungen an die Enkel, Carl-Friedrich und Carl-Stefan Wentzel rückübertragen. Seit 1990 wurde das wieder von den Familien Wentzel bewohnte Schloss Zug um Zug renoviert.

Neben den Wohnräumen und Büros für die eigene Immobilien- und landwirtschaftliche Verwaltung stehen repräsentative Räumlichkeiten für Konferenzen und Feierlichkeiten zur Verfügung. Im Seitenflügel befinden sich komfortable Hotelappartements.

Regelmäßig stattfindende Konzerte und Events erfreuen sich großer Beliebtheit.

Carl Wentzel – Leben und Wirken

Carl Wentzel wurde am 9. Dezember 1876 in Brachwitz geboren. Er besuchte das Domgymnasium zu Naumburg, studierte Jura und Landwirtschaft und begann 1897 seine praktische Ausbildung als Landwirt.

Nach einer längeren Weltreise bewirtschaftete er erfolgreich die Domäne Brachwitz und übernahm nach dem Tode seines Vaters 1907 den gesamten umfangreichen Betrieb. Durch die Heirat mit Ella von Zimmermann 1906 vergrößerte sich das landwirtschaftliche und industrielle Potenzial des Unternehmens mit dem Zugang der Firma Boltze in Salzmünde nochmals erheblich.

Carl Wentzel baute diese Betriebe auf einer Fläche von über 9000 ha - zwischen der Saale im Osten und den Ausläufern des Harzes im Westen - mit unermüdlichem Fleiß und Sachkenntnis weiter aus und entwickelte sie zu Mustenivirtschaften, die nach Art und Umfang ohne Gegenstück in Deutschland waren.

Dazu trug nicht zuletzt auch seine zielgerichtete Unterstützung und Zusammenarbeit mit Einrichtungen der agrarischen Wissenschaft und Forschung bei. Es entstand eine intensive horizontale und vertikale Verflechtung von landwirtschaftlicher Spitzentechnologie und industrieller Verarbeitung zu einer Zeit, als die Wissenschaft diesen Begriff noch nicht einmal geprägt hatte.

Damit war Carl Wentzel seiner Zeit weit voraus und leistete Bemerkenswertes in vielfacher Hinsicht: 

  • In der Landwirtschaft sicherten ca. 18000 Beschäftigte mit beispielhafter Ackerkultur in Verbindung mit effektivem Mineraldüngereinsatz und Beregnung höchste Erträge - bis zu 50% über dem Reichsdurchschnitt.
  • Leistungsfähige Tierbestände mit hohem Herdbuchanteil rundeten das Bild.

Besucher aus aller Welt kamen, um die Mustergüter zu sehen.

Die Saatzucht brachte herausragende Züchtungen hervor, die im In- und Ausland regen Absatz fanden.

Die in der Landwirtschaft erzeugten pflanzlichen und tierischen Produkte wurden möglichst nur nach industrieller Veredelung weitergegeben.

In der Industrie beschäftigte das Unternehmen bis zu 22000 Arbeiter in eigenen Zuckerfabriken, Brennereien, Mühlen, Kartoffelflooken- und Malzfabriken. Diese wurden von Energieproduktion in Kohlegruben und Elektrizitätswerken sowie Düngemittel- und Baustoffproduktion in Kali- und Kaolingruben, Kalkwerken, Ziegeleien und Keramikbetrieben flankiert.

Holz aus Wentzelschen Forsten wurde in eigenen Sägewerken zu Bauholz verarbeitet.

Darüber hinaus gab es vielfältige Beteiligungen z.B. in Nahrungsmittelproduktion, Bergwerks- und Hüttenindustrie, Energiewirtschaft, im Straßenbau und dem Finanzwesen.

Wirtschaftspolitisch war Carl Wentzels Weitsicht und Einfluss nicht nur in nationalen Gremien gefragt. So war er z.B. Mitglied und Vorsitzender in diversen Ausschüssen der deutschen und internationalen Zuckerindustrie, Ehrensenator der Universität Halle, Gründungsmitglied der Dresdner Bank und hatte zahlreiche Ehrenämter inne.

Auf sozialem Gebiet standen den Angestellten mehr als 1000 Werkswohnungen mit Hausgarten, meist in liebevoll gestalteten Kolonien, auch nach ihrer Pensionierung neben Deputat und einer Zusatzrente, zur Verfügung. Ehestandsdarlehen, Kindergarten, Krankenstationen, Beihilfen in Notfällen sowie das Engagement für solide Nachwuchsausbildung rundeten die sozialen Leistungen ab.

Menschlich beeindruckte Carl Wentzel durch sein bescheidenes, liebenswürdiges, zurückhaltendes Auftreten und sein offenes Ohr für die Probleme anderer sowie Integritätund Charakterstärke. Diese Wesenszüge wurden ihm im national‐ sozialistischen System zum Verhängnis. Als eher Konservativer verabscheute er Hitler und seine Helfershelfer leidenschaftlich und hielt mit seiner Ansicht nicht hinter dem Berge.

Schloss Teutschenthal wurde Treffpunktdes Reusch-Kreises. Hier entwickelte Goerdeler, als Kopf der Oppositionsgruppe, seine innen- und außenpolitischen Pläne für die Zeit nach einem Staatsstreich gegen Hitler. Die geheimen Zusammenkünfte wurden verraten und Carl Wentzel nach dem unglücklichen Ausgang des Hitlerattentates am 20. Juli 1944 in Möllendorf verhaftet. Nach Monaten der Verhöre und Folterungen wurde er wegen Hochverrates zum Tode verurteilt und am 20. Dezember 1944 in Plötzensee hingerichtet.

Die Familie Wentzel wurde enteignet, Ehefrau und Sohn durch die Nationalsozialisten ins Konzentrationslager verschleppt.

Ella Wentzel starb 1949 völlig verarmt in Halle. Der Sohn Carl-Friedrich flüchtete nach erneuter Enteignung durch die Bodenreform 1946 mit seiner Familie in den Westen. Er verstarb 1954 in Österreich.